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Handelsblatt News

Pleiten, Pech und Pannen

Es war ein Schreck am frühen Morgen. Als Kunden der Deutschen Bank am Freitag, dem 3. Juni 2016 einen Blick auf ihre Konten warfen, trauten viele ihren Augen nicht. Auf knapp drei Millionen Konten tauchten Lastschriften und Abbuchungen plötzlich doppelt auf. Die Panne riss viele Konten scheinbar ins Minus. Tief in den roten Zahlen, und das gleich zu Monatsbeginn - kein Wunder, dass sich der Schreck in den sozialen Medien schnell in Wut verwandelte. Einen Tag später war zwar alles wieder in Ordnung, aber die peinliche IT-Panne bedeutet doch mehr als ein Imageproblem für Deutschlands größtes Geldhaus. Gleich am Anfang seiner Amtszeit hatte Vorstandschef John Cryan die IT als eines der größten Probleme der Bank gebrandmarkt: "Wir haben lausige, schrecklich ineffiziente Systeme", gab er damals zu Protokoll. Einen Satz, den er heute so sicher nicht wiederholen würde, der aber die Probleme vieler deutscher und europäischer Banken mit ihren veralteten und viel zu komplexen IT-Systemen auf den

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Service statt High Speed

Aus diesem Test geht die Deutsche Telekom mit einem der schlechtesten Ergebnisse hervor: Die Bundesnetzagentur hat ein Jahr lang gemessen, ob die Internetgeschwindigkeit im Festnetz, die Telekomfirmen ihren Kunden anbieten, auch tatsächlich erreicht werden. Die Ergebnisse sind wenig schmeichelhaft für die ganze Branche. Keiner schafft es, mehr als ein gutes Drittel seiner Kunden mit der vollen versprochenen Bandbreite zu versorgen. Das ist ohnehin schon wenig, aber bei der Telekom kommen nur vier Prozent auf die Geschwindigkeit, "bis zu" der es laut Vertrag ihre Internetverbindung schaffen soll. Noch weniger Kunden sind es beim Wettbewerber 1 & 1 - der für seine Angebote vor allem die Leitungen der Telekom nutzt. Nun argumentiert die Telekom, die Messung sei nicht repräsentativ. Außerdem würde sie in ihren Verträgen nicht Mindestbandbreiten, sondern Bandbreitenkorridore angeben. Beides mag richtig sein, aber es wiegt das Problem nicht auf. Die Leitungen der Telekom sind alt und für hohe

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Kommissarin warnt US-Regierung

EU-Justizkommissarin Vera Jourová warnt die neue US-Regierung davor, die Grundlagen des gemeinsamen Datenschutzabkommens Privacy Shield auszuhöhlen. "Wenn die wesentlichen Grundlagen nicht mehr erfüllt sind, müssen wir das Abkommen aussetzen", sagte sie dem Handelsblatt vor ihrer Reise nach Washington am Mittwoch. Dies werde sie in ihrem Gespräch mit US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross ebenso deutlich machen wie die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Privacy Shield für die beteiligten Unternehmen - darunter Internetriesen wie Facebook oder Google. Die im vergangenen Sommer geschlossene Vereinbarung ist die Basis für den Transfer personenbezogener Informationen zwischen der EU und den USA. Sie fußt auf der Zusicherung, dass die Daten in den Vereinigten Staaten gleichwertig geschützt werden wie in Europa. Mehr als 1 500 Unternehmen stützen sich für die Übermittlung von Nutzer- oder Mitarbeiterdaten auf das Privacy Shield. Ohne das Abkommen bekämen die Unternehmen rechtliche Schwierigkeiten,

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Im Kriechtempo durchs Netz

Man stelle sich vor, ein Autohersteller wirbt mit einem Fahrzeug, das bis zu 200 PS auf die Straße bringt, in wenigen Sekunden von null auf Hundert beschleunigt - doch dann will der Wagen einfach nicht schneller als 120 fahren. Was bei Autos einen Proteststurm auslösen würde, ist in der Telekommunikationsbranche üblich. Die Unternehmen werben zwar mit Highspeed-Internet, mit Datengeschwindigkeiten von "bis zu 100" Megabit in der Sekunde (Mbit s) oder sogar "bis zu 400 Mbit s". Filme und Serien schauen, Fotos hochladen, Onlinegames spielen und Daten herunterladen: alles angeblich blitzschnell, alles fein und modern, kein Warten, kein Zuckeln. Eben Deutschland im 21. Jahrhundert. Allerdings liefern die Anbieter nicht, was sie versprechen: Fast ein Drittel aller Kunden, die Internet über das Festnetz nutzen, bekommen nicht einmal die Hälfte der versprochenen Geschwindigkeit. Im Mobilfunk ist das Ergebnis noch deutlicher: Dort erhalten sogar mehr als zwei Drittel der Kunden weniger als die

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Sehenden Auges ins Datenchaos

Ob der Datenschutz in Deutschland künftig noch in einem rechtsstaatlichen Verfahren durchgesetzt werden kann, ist zweifelhaft. Das zeigt eine Umfrage des Handelsblatts unter den 16 Datenschutzbeauftragten der Bundesländer. Demnach bekommen die Aufsichtsbehörden kein ausreichendes Personal, um die absehbare Mehrbelastung meistern zu können, die durch neue Vorgaben aus Brüssel entsteht. Datenschutzverstöße von Unternehmen würden somit nur unzureichend geahndet. "Es ist zu befürchten, dass die Kluft zwischen den rechtlichen Erwartungen und der defizitären Ausstattungssituation noch viel größer wird, als sie bereits bei der gegenwärtigen Rechtslage ist", hieß es etwa beim Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar. "Dass die Behörden handlungsunfähig sind, dürfte nicht zuletzt aus europarechtlicher Sicht nicht hinzunehmen sein." Die Behörden müssen die EU-Datenschutzgrundverordnung umsetzen. Bis zum Mai 2018 muss sie in nationales Recht umgesetzt werden. Dann müssen die Datenschutzbeauftragten

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Milliardenpatzer bei der KfW

Wenn die staatliche KfW am Mittwoch ihre Bilanz für 2016 vorlegt, dürfte eine Frage dominieren: Hat die Staatsbank ihre IT wirklich im Griff? Wie konnte sie fünf Wochen zuvor versehentlich rund sechs Milliarden Euro an vier Banken überweisen? Denn das Geld war in der Höhe gar nicht für die fremden Geldhäuser bestimmt. Wie die KfW am Freitag mitteilte, kam es am 20. Februar durch einen Systemfehler zu automatischen Mehrfachüberweisungen. Zu der Summe äußerte sie sich allerdings nicht. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über den Fehler berichtet. Immerhin: Die zu viel gezahlten Gelder erhielt die KfW von den anderen Banken direkt wieder. Ein finanzieller Schaden entstand also nicht. Wohl aber kratzt der Patzer am Image der Staatsbank. Dies umso mehr, weil der KfW bereits in der Finanzkrise ein peinlicher Fehler unterlaufen war. Am 15. September 2008 überwiesen die Computer der KfW rund 320 Millionen Euro in die USA. Der Empfänger: die Investmentbank Lehman Brothers. Das Problem:

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Die neue Bedrohung

Die Attacken aus dem Netz sind zahlreich und machen vor niemandem halt. Auch nicht vor einer Unternehmerin aus Hamburg, die sich vorbereitet fühlte. Trotz frühzeitiger Digitalisierungsstrategie und digitalen Prozessmanagers wurde sie Opfer eines Cyberangriffs von russischen Hackern - kein Einzelfall. Laut einer Umfrage werden Betriebe regelmäßig das Opfer von Cyberangriffen. Im Jahr 2016 waren es schon 39 Prozent. Fast jedem Zweiten entsteht dabei ein materieller Schaden. Und obwohl Unternehmen bereits mit Schulungen ihre Mitarbeiter für die Gefahren von Cyberangriffen sensibilisieren, fehlt es oft noch an speziellem Personal und Mitteln, um sich ausreichend zu schützen. Für die schlagkräftigen Kriminellen aus dem Netz stellen einfache Firewalls keine großen Hürden da. Kleinere und mittelständische Unternehmen brauchen Unterstützung. Auch wenn sich Unternehmen selbst um einen bestmöglichen Schutz bemühen müssen, sind sie auf staatliche Sicherheitsorgane angewiesen. Aber schon beim ersten

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Anonyme Briefe und Fotos

Im Machtkampf um den hessischen Arzneimittelhersteller Stada wurde Vorstandschef Matthias Wiedenfels im vergangenen Jahr offenbar ausgespäht. Das geht aus einem internen Brief an die Mitarbeiter hervor, wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr. Wiedenfels habe im vergangenen Jahr anonyme Briefe und Fotografien erhalten, heißt es in der Mitteilung, ebenso sei eine potenzielle Abhöreinrichtung gefunden worden. Einen Erpressungsversuch habe es jedoch nicht gegeben, heißt es weiter. Gemeinsam mit einem Sicherheitsunternehmen seien diese Aktivitäten unterbunden worden. Zuerst hatte das "Manager-Magazin" am Donnerstag über die Vorfälle berichtet. Offiziell gab es von Stada zu den Vorfällen keinen Kommentar. Der 43-jährige Jurist Wiedenfels war im vergangenen Juni im Vorstand auf den Chefposten gerückt, nachdem der langjährige Stada-Chef Hartmut Retzlaff krankheitsbedingt sein Amt niederlegen musste. Seit dem Amtsantritt von Wiedenfels wurde über einen Verkauf von Stada an

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