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Wer nutzt noch Chrome?


Die datenschutzfreundliche Vorgehensweise ist bei CLIQZ Standard | © cliqz.com

Heute laufen mehr als die Hälfte aller Internetaktivitäten über den Browser Chrome von Google. Zusammen mit seiner Suchmaschine weiß das Unternehmen sehr genau, was die Menschen auf der Welt im Internet machen. Und Google hält auch nicht hinter dem Berg mit seiner Absicht, möglichst personenbezogen auszuwerten, was die Menschen tun.

Daher gibt es immer wieder Versuche, datenschutzfreundliche Alternativen zu schaffen. Nicht leicht. Denn die meisten von uns verwenden datenschutzfreundliche Alternativen nicht schon allein deshalb, weil sie datenschutzfreundlich sind, sondern weil Freunde, Bekannte oder Kollegen sie auch nutzen. Es bedarf also der Verbreitung datenschutzfreundlicher Alternativen. Bei dem datenschutzfreundlichen Browser ClIQZ macht sich das Unternehmen auf den Weg einer wirklichen Verbreitung. Das könnte gelingen, weil Datenschutzinteressen und finanzielle Interessen zusammenkommen. Zudem hat CLIQZ gerade Ghostery, das Tool zur Vermeidung der Verfolgung im Internet, gekauft.

ClIQZ gehört vor allem der Mediengruppe Hubert Burda Media. Auch Mozilla mit seiner Firefox-Technologie ist beteiligt. Der Browser ClIQZ ist Internet-Browser und Suchmaschine in einem. Wer eine Adresse im Browser-Fenster eingibt, muss aufpassen, sich nicht zu verschreiben. Schnell ist man auf einer Website, die vielleicht einen schadhaften Code beinhaltet und den eigenen Computer beeinträchtigen kann. Man kann eine Suchmaschine nutzen oder ClIQZ. Für viele alltägliche Surfaktivitäten ist ClIQZ ideal. Gibt man zum Beispiel „elbphi“ ein, erscheint gleich die Web-Adresse der Hamburger Elbphilharmonie. Das funktioniert so ähnlich wie eine Auto-Vervollständigen-Funktion anderer Browser (die dann eine bestimmte Suchmaschine automatisch aufrufen). Doch es geht schneller, als vorher eine Suchmaschine zu aktivieren.

Datenschutzfreundlich ist der Browser, weil anonym getrackt wird. Nutzerdaten werden also nicht bestimmten Personen oder Rechnern zugeordnet. Fingerprints, also recht eindeutige Informationen wie die Geräte-ID, Browsereinstellungen, werden von CLIQZ blockiert, damit die besuchte Website den Nutzer nicht beim erneuten Besuch identifizieren kann. Hier werden die Datenschützer darüber wachen müssen, ob dies so eingehalten wird. Doch die Vorgehensweise ist im System angelegt.

Wird dieser Browser Verbreitung finden? ClIQZ hat jüngst Ghostery aufgekauft und wird es zum deutschen Unternehmen machen. Ghostery ist eine Software, die man in den Browser laden kann. Sie zeigt dem Nutzer auf, welche Cookies und andere Trackingtechnologien den Nutzer beim Surfen im Internet verfolgen. Der Nutzer kann diese Verfolger und damit Werbung blockieren. Natürlich kann ein Tool wie Ghostery auch wiederum dazu genutzt werden, Nutzerverhalten aufzuzeichnen und zu verwerten. Das Besondere ist, dass nun Ghostery zum deutschen Unternehmen gemacht wird und damit deutschem Datenschutzrecht unterliegt. Auch muss der Nutzer nichts einstellen. Die datenschutzfreundliche Vorgehensweise ist Standard, wie es das Gebot datenschutzfreundlicher Voreinstellungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung verlangt.

(Philipp Kramer, Chefredakteur Datenschutz-Berater)


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